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Gartengestaltung

Ein Mann sollte in seinem Leben einen Baum gepflanzt haben…

Posted by juergenraich on
Ein Mann sollte in seinem Leben einen Baum gepflanzt haben…

Der Sinn des Lebens quasi: Baum, Haus, Kind! Auch sollte ein richtiger Mann einmal etwas zerlegt und nicht mehr funktionsfähig zusammengebaut haben, aber das dient wohl eher pädagogischen Zwecken. Das Haus stand vor dem Gartenprojekt und dazu, wie man ein Kind zeugt, möchte ich an die Experten auf einschlägigen Partnervermittlungs- und Video-Portalen verweisen.

Zum Baum kann und will ich etwas sagen. Genauer zum Hausbaum! Er sollte mächtig und stark sein, um dem schönen neuen Häuschen einen gebührenden Rahmen zu bilden, trägt er doch erheblich zum Erscheinungsbild (quasi „Hausmarke“) des eigenen Grundstücks bei. Charakter sollte er haben und eine Bedeutung wäre nicht schlecht. Tradition kann ein hervorragendes Argument sein, eventuell noch Früchte tragen? Halbwegs schnell eine stattliche Größe erreichen, damit nicht erst die Enkel Freude daran haben, aber insgesamt nicht zu ausladend werden. Niemand hat Lust auf jährliche Kletterübungen in 20 Metern Höhe mit einer laufenden Kettensäge um den Hals. Und nicht zuletzt darf er das Budget nicht sprengen! Ich habe auch mit dem Gedanken gespielt eine junge Allee-Linde von der Hauptstraße auszugraben um nicht warten (und zahlen) zu müssen.

Diese und noch viele andere Argumente haben wir uns durch den Kopf gehen lassen und auf folgende Liste destilliert:

  • Keine süßen, dunklen Früchte (wegen Wespen und weißer Fassade)
  • Keine zu dichte Krone
  • Guter Wuchs in den ersten Jahren
  • Mindestens eine ausgefallene / besondere Eigenschaft sollte er haben (Farbe, Herkunft, Wuchs…)
  • Anständige Größe schon beim Kauf
  • Leistbar
  • Winterhart wär nicht schlecht…

Kirsche fiel wegen der roten Früchte durch den Rost, Birnen zogen zu viel Wespen an. Walnuss und Kastanie machen zu dunkel. Ursprünglich hatte ich noch den Anspruch, den Garten möglichst mit regionalen Pflanzen zu gestalten um unter anderem Krankheiten und Ungeziefer vorzubeugen. Für einen gartenbestimmenden Hausbaum allerdings war mir Linde zu klebrig und Ahorn sowie Eiche dann doch etwas zu langweilig.

Der erste Streich

Irgendwann stolperten wir bei unserer Recherche über die Amerikanische Roteiche. Dieser Baum erreicht eine stattliche Größe ohne zu dunklen Schatten zu werfen und wächst in den ersten Jahren recht zügig. Er ist zudem einer der prominenten Darsteller im nordamerikanischen Indian Summer und hat ein auffälliges Laub. Der Gärtner unseres Vertrauens konnte uns tatsächlich auch noch ein bezahlbaren Angebot machen und wir bestellten zu ein paar Apfelbeeren, Felsenbirnen und Cornelkirschen tatsächlich ein 3,5 m hohes Exemplar. Bis zum Leifertermin fielen uns in Parks und Gartenanlagen immer mehr dieser Bäume auf und schürten unsere Erwartungen. Fast täglich stellten wir uns mit einem langen Pfahl in den Garten um den perfekten Standort zu finden – bloß nicht die Aussicht verbauen!

Der Baum kam, wurde gepflanzt und sah super aus. Der Standort war „fast“ perfekt, nur etwas weit weg vom Sitzplatz und wir stellten 3x am Tag den großen Sonnenschirm um. Das Problem der Beschattung würde ein einzlener Baum so nicht lösen.

… doch der zweite folgt sogleich

Weil wir die Eiche wirken lassen wollten, war das Thema Hausbaum vorerst abgehakt und wir kümmerten uns um anderes – z.B. Eine alternative Beschattung zur Markise. Bei einem zufälligen Gespräch erwähnte mein Vater, dass hinter seinem Glashaus eine Akazie wild gesprossen sei (bereits über 5 m hoch ?!) und demnächst „entsorgt“ würde. Das könnte allerdings den sommerlichen Lichteinfall ins Wohnzimmer und auf die Veranda empfindlich stören, quasi Klimaverändernd wirken.

Es folgten Beratung über Standort – diesmal primär durch den Sonnenstand geprägt – und Überlegungen zum Transport. Im schlimmsten Fall lege ich ihn in ein paar Jahren wieder um oder er geht beim Umpflanzen schon ein. Also fand ich mich kurz darauf gemeinsam mit meinem Vater in einem kreisrunden Graben um ein Bäumchen mit guten 20 cm Stammumfang wieder bei dem Versuch das „Unkraut“ aus der Erde zu hebeln. Und tatsächlich, um ein paar Wurzeln kürzer, mit ausgespültem und nass eingepacktem Ballen auf einen Bootsanhänger gebunden trat die Pflanze die mit Sicherheit weiteste Reise ihres Daseins an und wurde 30 km weiter in ein Loch gesetzt und an einen Pfahl gebunden. Naja, besonders ist das Bäumchen jedenfalls und trotz einer beachtlichen Größe erschlägt es dankt lichter Krone den Garten nicht komplett. Und noch einen Vorteil hat der Hundling: Dank 5-10 cm langer, messerscharfer Dornen in der Krone klettert sicher niemand ungestraft an ihm auf das Garagendach.

Das Resultat des Ganzen ist ein zweiter „Hausbaum“. Gleich groß, ebenfalls auffallend und das Grundstücksbild ebenso charakterisierend wie die sehr bewusst ausgewählte Eiche, prägt diese Akazie den Gesamteindruck und gibt etwas von dem unkontrollierten Charme seiner Errungenschaft und dem Zufall wieder. Zumindest wenn man die Geschichte kennt. Ansonsten erfüllt sie perfekt ihren Zweck!

Gartengestaltung

Aller Laster Anfang

Posted by juergenraich on
Aller Laster Anfang

Was geschieht, wenn man ein Kind vom Land für Jahre in eine Stadtwohnung sperrt um es dann plötzlich auf ein paar m² Garten loszulassen?

Richtig: Überkompensation. Richtig dick aufgetragen. Mit einer guten Portion Selbstüberschätzung und dem eisernen Willen, alles besser zu machen als all die Anderen.

Der eigene Grund!

Wie das klingt. Das muss man sich erst auf der Zunge zergehen lassen. Der Pathos, die Möglichkeiten…

Mein Bürojob bringt deutlich zu wenig Bewegung mit sich und als verantwortungsvoller Vater hat man dafür zu sorgen, dass der Nachwuchs möglichst gesunde Nahrung erhält. Also ran an den Speck! Gut versorgt mit viel Halbwissen und die meisten Arbeiten gnadenlos unterschätzend.

Mir wird wieder mal klar, wie sich das mit der Zeit verhält: Ich habe keinerlei Macht über Sie. Bestimmte Arbeiten fallen dann an, wenn Wetter, Temperatur, Jahreszeit und – wenn man denn daran glauben will – Mond und Sterne zusammenpassen und das ist ziemlich selten am Samstag Vormittag. Andere Dinge wollen einfach immer erledigt werden, egal wie müde, nass, beschäftigt oder hung-over man gerade ist (Stichwort: Rasenmähen).

Kein Plan!

Erstmal habe ich mit meiner Co-Pilotin ein paar Eckpfeiler gesteckt, gedanklich. Wo wollen wir mit dem Projekt hin? Und wie machen wir das ohne uns gegenseitig den Spaß daran zu verderben?

  • Ein bisschen Rasenfläche vorm Haus für den Nachwuchs.
  • Möglichst keine (hoch-)giftigen Pflanzen
  • Auch der „Wirtschafts-Teil“ des Gartens sollte halbwegs ansehnlich sein.
  • Natürlich und ökologisch.
  • Naschgarten fanden wir beide ein spannendes Konzept

Also sind wir irgendwo bei einer modernen Interpretation von Omas Garten angekommen (Bauerngarten). Dieser war zwar größtenteils ein Nutzgarten, der aber doch genug Platz für einen kleinen Ziergarten hatte und robust genug gestaltet war um als Kind darin zu toben ohne größeren Schaden anzurichten oder zu nehmen – nur die Proportionen mussten etwas angepasst werden. Das 300 Jahre alte Haus darin wäre noch eine schöne Ergänzung gewesen.

Was außer dem alten Haus von den ursprünglich unendlichen Möglichkeiten noch auf der Strecke blieb (warum auch immer):

  • Kartoffelacker
  • Traktor
  • Mais-/Gersten-/Roggenfeld
  • Ahornplantage (für Ahornsirup)
  • Weinberg

Wo anfangen?

Mein alter Herr würde sagen: „Wie man einen Elefanten isst. Biss für Biss!“

So ähnlich wäre dann auch die Urbarmachung anzugehen. Grundsätzlich ist eine halbwegs ebene Fläche kein Schaden. Auf der „grünen Wiese“ soll dann mit der Zeit der Garten wachsen, den Bedürftnissen entsprechend. Es macht allerdings Sinn, die ganz groben Einteilungen zumindest mal angedacht zu haben – der Hausbaum sollte vielleicht nicht gerade am idealen Standort für den Pool gepflanzt werden. Wir haben uns auch mit einem Gartenplaner das Problem angesehen. Kann man machen, muss man aber nicht. Manchmal ist es auch ganz gut zu wissen, was man NICHT will.

Also Modellieren des Grundstücks und Rasenfläche anlegen. Jetzt wird Erde bewegt!

Ein paar Worte zum Idealablauf:

Hätte man Zeit, Wissen und Geduld, würde man in die grob verteilte Erde im Herbst oder Frühjahr eine Gründungung einsähen. Das Ergebnis ist dann ein wiesenartiger Bewuchs, der aber nicht gemäht wird. Im (Früh-)Herbst hat das Grünzeug die obersten Bodenschichten wunderbar gelockert und in die Erde gefräst wird es wertvollen Dünger für den späteren Rasen abgeben. Planieren und Einsäen und noch im gleichen Jahr wächst der Rasen nahezu unkrautfrei an und wird im darauf folgenden stark und dicht.

Die Realität:

Ich habe weder Zeit, Wissen noch Geduld, also mache ich alles an einem Wochenende und größtenteils von Hand. Donnerstag wird Erde geliefert, Freitag verteilt, Samstag gefräst und Sonntag planiert und Rasen gesät. Am Montag soll es regnen und ich will mir das Gießen sparen.

Gefräste Fläche

Nach der Verteilung der Erdmassen, kann gefräst werden um die oberste Erdschicht zu lockern und bearbeitbar zu machen.

Feinplanie

Mit Rechen und Walze wird solange abwechselnd verteilt und planiert, bis die gewünschte Struktur erreicht ist.

Erste Vegetation

Mit ein bisschen Glück wächst nach kurzer Zeit so etwas wie Rasen auf der Fläche – an der Grundstücksgrenze stehen bereits die ersten Elemente der Bepflanzung zwecks (späterem) Sichtschutz.

Am Montag regnet es nicht. Der ganze Sommer ist heiß und trocken und der noch empfindliche Rasen weicht einer deckenden, robusten und anspruchslosen Hirselandschaft. Auf der kann wunderbar gespielt werden, auch als Zeltunterlage macht sie sich hervorragend, aber mähen geht gar nicht. Hauptsächlich anstrengend.

Das Gute daran ist, dass die Hirse im Herbst von alleine verschwindet und wenn man dann erneut aussät und gut düngt, wird es auch was mit dem Rasen.

OK, die Basis hätten wir also geschafft, aber damit es richtig wohnlich wird braucht das Auge ein paar Punkte um sich daran festzuhalten. Kaum sind die ärgsten Narben verheilt beginnen wir damit Löcher in den neuen Teppich zu stanzen.

Der Plan für die kommenden Arbeiten wird nun konkreter:

  • Heimische Pflanzen und Bäume
  • Ein paar ausgewählte Exoten
  • Hochbeet (unbedingt)
  • Äpfel, alte Sorten
  • Beeren
  • Und was zum Spielen für die Sprösslinge!

Auf geht’s!