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Nachhaltigkeit

Erde zu Erde

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Die Basics

Ein Garten, auch ein kleiner, wirft zwangsläufig Biomasse ab. Die Menge ist anfangs sehr überschaubar und passt mit etwas Geschick in die Papierbeutel der städtischen Abfallentsorgung. Sobald der Bewuchs aber angewachsen ist, Bäume zurückgeschnitten und Hecken gestutzt werden, der Rasenschnitt abgetragen wird und vielleicht auch mal eine Neuerrungenschaft nicht wie geplant anwurzelt, erreicht sie schnell recht stattliche Ausmaße. Spätestens wenn im Herbst die ersten Blätter fallen wird sich der Gartenhauptverantwortliche Gedanken über die Entsorgungsmöglichkeiten machen. Du hast nun zwei Möglichkeiten: Ab auf den Grünmüll oder du kümmerst dich selbst um deinen Dreck.

Ich bin ein Fan von Prozessen, besonders wenn sie nachhaltig und geschlossen sind. Hätte meine Frau kein Veto eingereicht, dann hätten wir heute eine Trockentoilette mit einem Kübel Sägespänen anstelle des Spülkastens. Die Grundfrage wäre somit beantwortet! So werde ich auch die Küchenabfälle los und spare mir außerdem die teuren und schweren Säcke Blumen- und Gartenerde aus dem Baumarkt.



Wie immer ist es jedoch nicht ganz so einfach. Nur alles zusammen auf einen Haufen (die Kompostmiete) zu werfen erweist sich schnell ästhetisch, olfaktorisch und hinsichtlich der Abbauprozesse als suboptimal. Nur wer die Nachbarschaft von Füchsen, Mardern und Fliegen genießt und schätzt wird mit den Resten vom Sonntagsbraten auf einem dampfenden Hügel hinterm Haus glücklich werden.

Es gibt ein paar Regeln, die eingehalten werden müssen, damit das Projekt gelingt:

  • Ausgewogenheit zwischen trockenem Strukturmaterial und fetten, nährstoffreichen Bestandteilen
  • Ausgeglichener Feuchtigkeits- und Temperaturhaushalt
  • Durchlüftung
  • Regelmäßiges Umsetzten

Zusammensetzung

Dies ist vor allem in einem jungen Garten keine einfach zu lösende Aufgabe. Grundsätzlich ist nämlich der meiste Küchenabfall auf der fetten / feuchten Seite. Der jungfräuliche Gartenfreund kann dem anfangs höchstens Rasenschnitt beifügen. Diese Mischung wird stinken! Und ich meine nicht diesen leicht unangenehmen, süßlichen Duft, den ein etwas überalterter Biomüll absondert. Wir sprechen hier von Jauchegrube Klasse 1.
Nicht falsch verstehen: auch dieser Haufen wird irgendwann dank Wurm & Co. wertvolle Erde liefern, aber der Weg dahin kann sehr grausam und dem nachbarschaftlichen Klima abträglich sein.

Recht bald wird der Garten aber genug dünne Äste, Reisig, Unkraut und Laub liefern, dass der Küchenabfall nicht mehr die Mehrheit darstellt. Und bezüglich des Rasenschnitts ist es empfehlenswert, diesen als Mulchmaterial an Obstbäumen und Hecken zu nutzen oder gleich mittels Mulchmähers (oder einfach etwas öfter mähen) auf der Rasenfläche zu belassen, da diese Mengen auf dem Kompost immer Schwierigkeiten machen werden. Bis es soweit ist, kann man sich von Freunden, Bekannten und Nachbarn etwas Grünmüll holen, den diese vielleicht sonst zum Depot bringen würden. Das wiederum kann dem Verhältnis sehr zuträglich sein.

Feuchtigkeit und Temperatur

Zwei Faktoren, die durch die richtige Position des Kompostes im Garten maßgeblich beeinflusst werden, sind Temperatur und Feuchtigkeit. Auch hier gibt es ein paar Dinge zu berücksichtigen:

  • Kontakt zum Boden, damit die abbauenden Lebewesen in den Haufen finden
  • Nicht zu viel Sonne, sonst ziehen sie im Sommer wieder aus
  • Keine Staunässe, die Würmer sollen nicht ersaufen
  • Nicht zu kühl / zugig, sonst verkürzt sich die Kompost-Saison möglicherweise empfindlich

Ideal ist also ein Platz in einer ruhigen Ecke des Gartens, am besten von der Krone eines Baumes vor zu viel Sonne und Regen geschützt. Wenn nun Sitz- und Spielbereiche – eigene, sowie die der Nachbarn – nicht in unmittelbarer Nähe liegen sind wir schon sehr nah am Optimum.

Manche Kompostianer schwören auf eine Abdeckung um übermäßige Hitze und Nässe zu vermeiden. Dem spricht nichts grundsätzlich entgegen, dann sollte man aber regelmäßig mit (abgestandenem) Wasser befeuchten. Eine Abdeckung kann auch dabei helfen, Tiere fern zu halten. Ich persönlich bin eher ein Freund der offenen Kompostführung.

Neugierige können auch einen Stock in die Miete stecken und einige Zeit dort lassen um die Temperatur in deren Zentrum zu überprüfen. Aber Vorsicht: bis zu 60° sind durchaus möglich!



Durchlüftung

Jetzt kommen wir zu dem Grund, warum ich die grünen, geschlossenen Systeme aus dem Baumarkt nur bedingt empfehle:

Ein gesunder Kompost braucht Luft.

Diese Systeme sind nicht schlecht, und besonders wenn wenig Material kompostiert werden soll durchaus auch eine gute Entscheidung. In Hinblick auf die stattfindenden Prozesse aber nicht ideal, denn die Bakterien und Insekten, die die Hauptarbeit leisten, brauchen Sauerstoff. Es passieren auch anaerobe Fäulnis-Prozesse, diese sind aber geruchsintensiv und dauern deutlich länger.

Einerseits hilft der aeroben Verrottung wenn die Wände nicht geschlossen sind, sondern aus Drahtgitter oder (Holz-)Latten mit entsprechenden Abständen bestehen. Andererseits ist es gut, wenn im Bodenbereich gröbere Äste sind, die etwas Luftzufuhr von unten zulassen – hier kommt auch die richtige Zusammensetzung (siehe oben) wieder zum Tragen. Die benötigten Mengen an „Frischluft“ sind eher gering. Wichtig ist, dass die entstehenden Gase austreten können und unverbrauchte Luft nachkommen kann.

Umsetzen

So, wir waren fleißig und haben in den vergangenen Monaten einen schönen, dampfenden Haufen gemacht. Dem aufmerksamen Beobachter wird aufgefallen sein, dass an den Rändern nicht viel passiert ist, während der Haufen im Kern ordentlich an Masse verloren hat. Irgendwann ist er trotzdem voll und es wird Zeit, die Biomasse umzuschichten. Erstens kommt so weniger verrottetes Material von Außen nach Innen. Zweitens bringt dieser Schritt wieder Sauerstoff in den Kern und setzt neuerlich eine Heißrotte in Gang, das wirkt sich unter anderem auch positiv – oder besser negativ – auf Schädlinge wie Maikäfer-Larven und Unkrautsamen aus. Drittens, sofern wir dabei eine neue Miete aufschichten, haben wir wieder Platz auf unserem Kompost für neuen Müll.

Die Systeme

Es gibt verschiedene Wege, wie man zu seiner selbstgemachten Gartenerde kommen kann und wie immer gibt es auch jemanden, der das richtige Werkzeug dafür verkauft.

Die grünen Androiden

In den Baumärkten werden alle möglichen Formen von Thermokompostern angeboten, die meisten grün mit 4-eckigem Grundriss. Die Idee hinter diesen Kisten ist, dass durch mehr oder weniger stark ausgeführte Isolierung der Außenwände die Temperatur im Inneren höher ist und eine schnellere Rotte einsetzt. In der Praxis scheitert diese Idee aber meistens an der fehlenden Frischluftzufuhr und zu wenig heterogener Befüllung. Auch ist das Umsetzen nicht immer ganz einfach, weil meistens die komplette Konstruktion zerlegt werden muss. Vorteilhaft sind diese Systeme vor allem für kleinere Gärten und Haushalte mit wenig Bioabfall, denen die sauber-sterile Optik gefällt.

Ruhige Kugeln

In letzter Zeit sind immer wieder Wunderkomposter aufgetaucht. In Kugel- oder Zylinderform erlauben sie die Durchmischung des Inhalts ohne eine Kompostgabel in die Hand nehmen zu müssen, einfach indem sie über den Rasen gerollt werden. Außerdem lassen sie sich einfach dorthin bringen, wo sie gerade gebraucht werden. Während ich die Idee einer bei Sturm im Garten herumrollenden Kugel unheimlich witzig finde, fehlt mir bei all diesen Systemen der Kontakt zum Boden. Microorganismen müssen manuell geimpft werden, Insekten und Würmer werden in solch einem System nie ansässig werden.

Keep it simple

Mein persönlicher Favorit ist tatsächlich die billigste Holzlatten-Konstruktion des nächsten Gartenbedarfnahversorgers. Diese einfachen Geräte halten wesentlich länger als man ihnen auf den ersten Blick zugestehen möchte, sie lassen rundum genug Frischluft hinein, haben oben eine riesige Öffnung durch die Material je nach Bedarf entnommen oder hinzugefügt werden kann und lassen sich einfach und schnell ab- und woanders wieder aufbauen. Zudem sehen sie im Verbund verdammt schick aus, aber dazu gleich mehr.



Optimierte Abläufe

Wir wissen nun einiges über diese sich selbst abbauende Masse im Garten hinterm Haus. Was man tun und lassen sollte, und wo das am besten geschieht. Manch einem wird das Umsetzten in einer Miete etwas umständlich vorkommen. Andere werden sich wiederum an der Tatsache stören, dass die gute, fertige Erde unter dem ganzen halbverrotteten Material liegt. Hier hat sich die Menschheit in den letzten paar tausend Jahren tatsächlich ein paar Gedanken dazu gemacht und ein Paar wirklich praktikable Lösungen erarbeitet.

Der Pragmatiker (Wenig Mist)

Eine Miete. Von oben befüllt und mit Geduld rasten gelassen. Gelegentlich wird mit der Gabel durchmischt, bis sich irgendwann unten feine, nach Wald reichende Erde absetzt. Diese wird bei Bedarf unten aus dem Komposter durch eine Klappe oder 2-3 entnommene Latten „geerntet“. Viel einfacher geht es tatsächlich nicht.

Der Skalierer (Mehr Mist)

Oft organisch aus dem Pragmatiker entstanden, steht der Skalierer einer zunehmenden Menge Rohmaterial gegenüber. Die Lösung ist so einfach wie naheliegend: Es werden einfach mehrere Komposthaufen nebeneinander angelegt. Die simpelste Möglichkeit ist, den bestehenden Komposter abzubauen und etwas versetzt wieder aufzubauen. Der alte Inhalt bleibt relativ formstabil an Ort und Stelle stehen und kann so fertigrotten. Nach genügend Zeit wird bis auf die oberste Schicht alles zu wertigem Humus umgesetzt sein.

Der Systematiker (Viel Mist)

Der Systematiker unterhält 3 Kammern, von denen die erste nach und nach gefüllt wird. Hat man ein anständiges Maß erreicht und hat das Rohmaterial offensichtlich schon den ersten Abbauprozess hinter sich, wird die Miete in die zweite Kammer umgeschichtet und durchmischt. Nach 2-3 Mal hat auch die zweite Kammer ihr Soll erreicht, der gesiebte, feine Kompost kann in der dritten Kammer fertig reifen und auf seinen Einsatz warten. Die groben Bestandteile können in der ersten Kammer wieder unter den frischen Grünmüll gemischt werden. Durch die regelmäßige Umschichtung verrottet dieses System sehr vollständig und man hat immer gut gelagerten Kompost zu Hand.

Der Perfektionist (High-End-Mist)

Jetzt kommen wir zur Kür der organischen Abfallverwertung! Prinzipiell agiert der Perfektionist identisch mit dem Systematiker, sein Ablauf wird aber durch einen vorgelagerten Schritt verfeinert. Alle Küchenabfälle, auch gekochtes Fleisch, werden zunächst in einem luftdichten Kunststoffeimer mit Gitterboden (Bokashi) gesammelt. Anschließend vergären diese für mindesten 3 Wochen unter leichtem Druck an einem kühlen Ort, während die Flüssigkeit immer wieder abgelassen wird. Erst dann kommt das leicht säuerliche Produkt auf den Kompost. Der Rest bleibt wie gehabt. Diese Variante beschleunigt die Kompostierung von Küchenabfällen erheblich und verdirbt Mardern und Füchsen den Appetit.

Viel Spaß beim Nachkochen!

Gartengestaltung

Ein Mann sollte in seinem Leben einen Baum gepflanzt haben…

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Ein Mann sollte in seinem Leben einen Baum gepflanzt haben…

Der Sinn des Lebens quasi: Baum, Haus, Kind! Auch sollte ein richtiger Mann einmal etwas zerlegt und nicht mehr funktionsfähig zusammengebaut haben, aber das dient wohl eher pädagogischen Zwecken. Das Haus stand vor dem Gartenprojekt und dazu, wie man ein Kind zeugt, möchte ich an die Experten auf einschlägigen Partnervermittlungs- und Video-Portalen verweisen.

Zum Baum kann und will ich etwas sagen. Genauer zum Hausbaum! Er sollte mächtig und stark sein, um dem schönen neuen Häuschen einen gebührenden Rahmen zu bilden, trägt er doch erheblich zum Erscheinungsbild (quasi „Hausmarke“) des eigenen Grundstücks bei. Charakter sollte er haben und eine Bedeutung wäre nicht schlecht. Tradition kann ein hervorragendes Argument sein, eventuell noch Früchte tragen? Halbwegs schnell eine stattliche Größe erreichen, damit nicht erst die Enkel Freude daran haben, aber insgesamt nicht zu ausladend werden. Niemand hat Lust auf jährliche Kletterübungen in 20 Metern Höhe mit einer laufenden Kettensäge um den Hals. Und nicht zuletzt darf er das Budget nicht sprengen! Ich habe auch mit dem Gedanken gespielt eine junge Allee-Linde von der Hauptstraße auszugraben um nicht warten (und zahlen) zu müssen.



Diese und noch viele andere Argumente haben wir uns durch den Kopf gehen lassen und auf folgende Liste destilliert:

  • Keine süßen, dunklen Früchte (wegen Wespen und weißer Fassade)
  • Keine zu dichte Krone
  • Guter Wuchs in den ersten Jahren
  • Mindestens eine ausgefallene / besondere Eigenschaft sollte er haben (Farbe, Herkunft, Wuchs…)
  • Anständige Größe schon beim Kauf
  • Leistbar
  • Winterhart wär nicht schlecht…

Kirsche fiel wegen der roten Früchte durch den Rost, Birnen zogen zu viel Wespen an. Walnuss und Kastanie machen zu dunkel. Ursprünglich hatte ich noch den Anspruch, den Garten möglichst mit regionalen Pflanzen zu gestalten um unter anderem Krankheiten und Ungeziefer vorzubeugen. Für einen gartenbestimmenden Hausbaum allerdings war mir Linde zu klebrig und Ahorn sowie Eiche dann doch etwas zu langweilig.

Der erste Streich

Irgendwann stolperten wir bei unserer Recherche über die Amerikanische Roteiche. Dieser Baum erreicht eine stattliche Größe ohne zu dunklen Schatten zu werfen und wächst in den ersten Jahren recht zügig. Er ist zudem einer der prominenten Darsteller im nordamerikanischen Indian Summer und hat ein auffälliges Laub. Der Gärtner unseres Vertrauens konnte uns tatsächlich auch noch ein bezahlbaren Angebot machen und wir bestellten zu ein paar Apfelbeeren, Felsenbirnen und Cornelkirschen tatsächlich ein 3,5 m hohes Exemplar. Bis zum Leifertermin fielen uns in Parks und Gartenanlagen immer mehr dieser Bäume auf und schürten unsere Erwartungen. Fast täglich stellten wir uns mit einem langen Pfahl in den Garten um den perfekten Standort zu finden – bloß nicht die Aussicht verbauen!

Der Baum kam, wurde gepflanzt und sah super aus. Der Standort war „fast“ perfekt, nur etwas weit weg vom Sitzplatz und wir stellten 3x am Tag den großen Sonnenschirm um. Das Problem der Beschattung würde ein einzlener Baum so nicht lösen.

… doch der zweite folgt sogleich

Weil wir die Eiche wirken lassen wollten, war das Thema Hausbaum vorerst abgehakt und wir kümmerten uns um anderes – z.B. Eine alternative Beschattung zur Markise. Bei einem zufälligen Gespräch erwähnte mein Vater, dass hinter seinem Glashaus eine Akazie wild gesprossen sei (bereits über 5 m hoch ?!) und demnächst „entsorgt“ würde. Das könnte allerdings den sommerlichen Lichteinfall ins Wohnzimmer und auf die Veranda empfindlich stören, quasi Klimaverändernd wirken.



Es folgten Beratung über Standort – diesmal primär durch den Sonnenstand geprägt – und Überlegungen zum Transport. Im schlimmsten Fall lege ich ihn in ein paar Jahren wieder um oder er geht beim Umpflanzen schon ein. Also fand ich mich kurz darauf gemeinsam mit meinem Vater in einem kreisrunden Graben um ein Bäumchen mit guten 20 cm Stammumfang wieder bei dem Versuch das „Unkraut“ aus der Erde zu hebeln. Und tatsächlich, um ein paar Wurzeln kürzer, mit ausgespültem und nass eingepacktem Ballen auf einen Bootsanhänger gebunden trat die Pflanze die mit Sicherheit weiteste Reise ihres Daseins an und wurde 30 km weiter in ein Loch gesetzt und an einen Pfahl gebunden. Naja, besonders ist das Bäumchen jedenfalls und trotz einer beachtlichen Größe erschlägt es dankt lichter Krone den Garten nicht komplett. Und noch einen Vorteil hat der Hundling: Dank 5-10 cm langer, messerscharfer Dornen in der Krone klettert sicher niemand ungestraft an ihm auf das Garagendach.

Das Resultat des Ganzen ist ein zweiter „Hausbaum“. Gleich groß, ebenfalls auffallend und das Grundstücksbild ebenso charakterisierend wie die sehr bewusst ausgewählte Eiche, prägt diese Akazie den Gesamteindruck und gibt etwas von dem unkontrollierten Charme seiner Errungenschaft und dem Zufall wieder. Zumindest wenn man die Geschichte kennt. Ansonsten erfüllt sie perfekt ihren Zweck!

Gartenpflege

Der Spindelmäher – Das Fahrrad unter den Rasenmähern

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Der Spindelmäher – Das Fahrrad unter den Rasenmähern

Wir haben es geschafft eine Rasenfläche anzulegen. Es ist grün, saftig und im zweiten Jahr haben sich statt Hirse tatsächlich Rotschwingel, Weidegras und die anderen Sport- und Spielrasensorten durchgesetzt. Jetzt offenbart sich das große Dilemma des Gartensports:

Nichts ist jemals fertig – die Pflege ist die eigentliche Pflicht!

Jetzt bin ich nicht der größte Fan des „British Greens“, und das Röhren der nachbarschaftlichen Motorschafe hat für mich den Sexappeal verstimmter Kirchenglocken. Trotzdem muss ich zugeben, dass zu einem gepflegten Garten auch ein ansehnlicher Rasen gehört. Ich erkenne schnell, dass ohne etwas Liebe, aus dem mühsam angelegten Grün, eine wilde Mischung verschiedenster Salatsorten wird. Die ersten Gänseblümchen sind willkommen, der ein oder andere Löwenzahn wird geduldet, aber wenn ich auch weiterhin den Großteil der Fläche als Rasen erhalten will, muss ich mich anstrengen. Anstrengen heißt Mähen – mindestens ein Mal pro Woche – je kürzer, desto häufiger.



Da mir der Lärm der Anderen schon dermaßen auf den Keks geht, möchte ich selbst keinen weiteren erzeugen. Elektromäher sind keine Option weil erstens nicht viel leiser und zweitens mäht man dauernd über das verflixte Kabel (dann ist es wenigstens still). Also heißt es Alternativen finden und Optionen abwägen. Ich bin bei folgenden zwei Möglichkeiten gelandet:

1. Rasenmähroboter / E-Schaf

Sehr elegante Variante der Arbeitsverweigerung mit der Coolness von Strumpfhaltern für Männer. Wie viele Stunden Mäharbeit kann man sich sparen und statt dessen den Garten genießen? Blöd nur, dass die Beschäftigung mit dem Garten ein wichtiger Part dessen Erholungswerts ausmacht. Außerdem: Wie viele Stunden muss ich arbeiten, um dieses autonome Technik-Wunder zu bezahlen? Vielleicht leiste ich mir den Spaß irgendwann tatsächlich einmal, denn es hat große Vorteile: es trägt den Rasenschnitt nicht ab sondern lässt ihn liegen und die rasiermesserscharfen Klingen schneiden sehr exakt und das täglich, bei jeder Witterung. Ein Bisschen wie ein BMW-Motorrad – perfekt, aber etwas emotionslos.

2. Spindelmäher

Den kennen einige vielleicht noch aus ihrer Kindheit, Comics oder Filmen. Handbetrieben und leise schiebt sich die Messerwalze durch das saftige Grün. Es ist das Fahrrad unter den Rasenmähern und gleichzeitig die (2x) wöchentliche Dosis Bewegung, die Hirnarbeiter wie wir so dringend benötigen. Während ein Sichelmäher (das laute Standardmodell) seine Schneide mit hoher Geschwindigkeit rotieren lässt und so die Halme abschlägt, schneidet die Messerwalze wie eine Schere die einzelnen Halme gegen das Untermesser ab und sorgt für einen unanständig sauberen Schnitt. Auch hier bleibt das Schnittgut liegen und verrottet zu wertvollem Dünger. Weil das Gerät sehr leicht ist, braucht man nicht länger als mit einem herkömmlichen Mäher, man sollte nur keine zu langen Pausen zwischen zwei Mähgängen machen, denn dann wird’s richtig anstrengend – aber wer scheut sich schon vor einem gelegentlichen Power-Work-Out? Im Großen und Ganzen ein ausgesprochen raffiniertes Gerät.



Ich habe mich für den zweiten Weg entscheiden, und obwohl laut Hersteller anders beschrieben, sind auch Gärten mit über 500 m² in 30-45 Minuten gemäht. Problemlos auch am Abend anwendbar weil sehr leise, empfinde ich dieses Gerät als völlig zu unrecht durch vermeintlich bessere Maschinen ersetzt. Und im Gegensatz zu Option eins muss ich in unserem jungen Garten nicht bei jeder Neupflanzung den Begrenzungsdraht neu verlegen.

Die andere Hälfte der Miete

Mähen ist zwar die halbe Miete, aber der ein oder andere wird sich schon gedacht haben, dass es damit alleine nicht erledigt sein wird. Schon mal darüber nachgedacht, dass mit jedem Mähvorgang relativ viel Biomasse „abgeerntet“ wird? Das ist ein echtes Problem und besonders wer den Rasenschnitt nicht auf der Fläche belässt muss 3 Mal im Jahr düngen, sonst magert der Boden aus und es wächst alles, nur kein Gras. Es kommt noch dazu, dass so ein Rasen kein Kostverächter ist. Er braucht verhältnismäßig viel Nährstoffe um gut zu wachsen und sich gegen (Un-)Kraut durchzusetzten. Also nicht lumpen lassen und hin und wieder einen Sack (biologischen) Rasendünger ausbringen, dann wird’s auch schön dunkelgrün und dicht.

Und zum Schluss noch die allerbeste Nachricht: Mit jedem weiteren umgesetzten Projekt – sei dies ein Hochbeet, eine Sitzecke mit Grillstelle oder der Pool mit Gegenstromanlage – wird die Rasenfläche ein wenig kleiner. Möglicherweise erübrigt sich der Roboter irgendwann sowieso, weil man in 15 Minuten locker durchmarschiert ist. Bis dahin sollten wir eventuell das alte Rennrad in der Garage wieder aufgebaut haben, zwecks körperlicher Ertüchtigung. Sind wir mal gespannt!

Gartengestaltung

Aller Laster Anfang

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Aller Laster Anfang

Was geschieht, wenn man ein Kind vom Land für Jahre in eine Stadtwohnung sperrt um es dann plötzlich auf ein paar m² Garten loszulassen?

Richtig: Überkompensation. Richtig dick aufgetragen. Mit einer guten Portion Selbstüberschätzung und dem eisernen Willen, alles besser zu machen als all die Anderen.

Der eigene Grund!

Wie das klingt. Das muss man sich erst auf der Zunge zergehen lassen. Der Pathos, die Möglichkeiten…

Mein Bürojob bringt deutlich zu wenig Bewegung mit sich und als verantwortungsvoller Vater hat man dafür zu sorgen, dass der Nachwuchs möglichst gesunde Nahrung erhält. Also ran an den Speck! Gut versorgt mit viel Halbwissen und die meisten Arbeiten gnadenlos unterschätzend.

Mir wird wieder mal klar, wie sich das mit der Zeit verhält: Ich habe keinerlei Macht über Sie. Bestimmte Arbeiten fallen dann an, wenn Wetter, Temperatur, Jahreszeit und – wenn man denn daran glauben will – Mond und Sterne zusammenpassen und das ist ziemlich selten am Samstag Vormittag. Andere Dinge wollen einfach immer erledigt werden, egal wie müde, nass, beschäftigt oder hung-over man gerade ist (Stichwort: Rasenmähen).



Kein Plan!

Erstmal habe ich mit meiner Co-Pilotin ein paar Eckpfeiler gesteckt, gedanklich. Wo wollen wir mit dem Projekt hin? Und wie machen wir das ohne uns gegenseitig den Spaß daran zu verderben?

  • Ein bisschen Rasenfläche vorm Haus für den Nachwuchs.
  • Möglichst keine (hoch-)giftigen Pflanzen
  • Auch der „Wirtschafts-Teil“ des Gartens sollte halbwegs ansehnlich sein.
  • Natürlich und ökologisch.
  • Naschgarten fanden wir beide ein spannendes Konzept

Also sind wir irgendwo bei einer modernen Interpretation von Omas Garten angekommen (Bauerngarten). Dieser war zwar größtenteils ein Nutzgarten, der aber doch genug Platz für einen kleinen Ziergarten hatte und robust genug gestaltet war um als Kind darin zu toben ohne größeren Schaden anzurichten oder zu nehmen – nur die Proportionen mussten etwas angepasst werden. Das 300 Jahre alte Haus darin wäre noch eine schöne Ergänzung gewesen.

Was außer dem alten Haus von den ursprünglich unendlichen Möglichkeiten noch auf der Strecke blieb (warum auch immer):

  • Kartoffelacker
  • Traktor
  • Mais-/Gersten-/Roggenfeld
  • Ahornplantage (für Ahornsirup)
  • Weinberg

Wo anfangen?

Mein alter Herr würde sagen: „Wie man einen Elefanten isst. Biss für Biss!“

So ähnlich wäre dann auch die Urbarmachung anzugehen. Grundsätzlich ist eine halbwegs ebene Fläche kein Schaden. Auf der „grünen Wiese“ soll dann mit der Zeit der Garten wachsen, den Bedürftnissen entsprechend. Es macht allerdings Sinn, die ganz groben Einteilungen zumindest mal angedacht zu haben – der Hausbaum sollte vielleicht nicht gerade am idealen Standort für den Pool gepflanzt werden. Wir haben uns auch mit einem Gartenplaner das Problem angesehen. Kann man machen, muss man aber nicht. Manchmal ist es auch ganz gut zu wissen, was man NICHT will.

Also Modellieren des Grundstücks und Rasenfläche anlegen. Jetzt wird Erde bewegt!



Ein paar Worte zum Idealablauf:

Hätte man Zeit, Wissen und Geduld, würde man in die grob verteilte Erde im Herbst oder Frühjahr eine Gründungung einsähen. Das Ergebnis ist dann ein wiesenartiger Bewuchs, der aber nicht gemäht wird. Im (Früh-)Herbst hat das Grünzeug die obersten Bodenschichten wunderbar gelockert und in die Erde gefräst wird es wertvollen Dünger für den späteren Rasen abgeben. Planieren und Einsäen und noch im gleichen Jahr wächst der Rasen nahezu unkrautfrei an und wird im darauf folgenden stark und dicht.

Die Realität:

Ich habe weder Zeit, Wissen noch Geduld, also mache ich alles an einem Wochenende und größtenteils von Hand. Donnerstag wird Erde geliefert, Freitag verteilt, Samstag gefräst und Sonntag planiert und Rasen gesät. Am Montag soll es regnen und ich will mir das Gießen sparen.

Gefräste Fläche

Nach der Verteilung der Erdmassen, kann gefräst werden um die oberste Erdschicht zu lockern und bearbeitbar zu machen.

Feinplanie

Mit Rechen und Walze wird solange abwechselnd verteilt und planiert, bis die gewünschte Struktur erreicht ist.

Erste Vegetation

Mit ein bisschen Glück wächst nach kurzer Zeit so etwas wie Rasen auf der Fläche – an der Grundstücksgrenze stehen bereits die ersten Elemente der Bepflanzung zwecks (späterem) Sichtschutz.

Am Montag regnet es nicht. Der ganze Sommer ist heiß und trocken und der noch empfindliche Rasen weicht einer deckenden, robusten und anspruchslosen Hirselandschaft. Auf der kann wunderbar gespielt werden, auch als Zeltunterlage macht sie sich hervorragend, aber mähen geht gar nicht. Hauptsächlich anstrengend.

Das Gute daran ist, dass die Hirse im Herbst von alleine verschwindet und wenn man dann erneut aussät und gut düngt, wird es auch was mit dem Rasen.

OK, die Basis hätten wir also geschafft, aber damit es richtig wohnlich wird braucht das Auge ein paar Punkte um sich daran festzuhalten. Kaum sind die ärgsten Narben verheilt beginnen wir damit Löcher in den neuen Teppich zu stanzen.

Der Plan für die kommenden Arbeiten wird nun konkreter:

  • Heimische Pflanzen und Bäume
  • Ein paar ausgewählte Exoten
  • Hochbeet (unbedingt)
  • Äpfel, alte Sorten
  • Beeren
  • Und was zum Spielen für die Sprösslinge!

Auf geht’s!