Monthly Archives

2 Articles

Gartenpflege

Der Spindelmäher – Das Fahrrad unter den Rasenmähern

Posted by juergenraich on
Der Spindelmäher – Das Fahrrad unter den Rasenmähern

Wir haben es geschafft eine Rasenfläche anzulegen. Es ist grün, saftig und im zweiten Jahr haben sich statt Hirse tatsächlich Rotschwingel, Weidegras und die anderen Sport- und Spielrasensorten durchgesetzt. Jetzt offenbart sich das große Dilemma des Gartensports:

Nichts ist jemals fertig – die Pflege ist die eigentliche Pflicht!

Jetzt bin ich nicht der größte Fan des „British Greens“, und das Röhren der nachbarschaftlichen Motorschafe hat für mich den Sexappeal verstimmter Kirchenglocken. Trotzdem muss ich zugeben, dass zu einem gepflegten Garten auch ein ansehnlicher Rasen gehört. Ich erkenne schnell, dass ohne etwas Liebe, aus dem mühsam angelegten Grün, eine wilde Mischung verschiedenster Salatsorten wird. Die ersten Gänseblümchen sind willkommen, der ein oder andere Löwenzahn wird geduldet, aber wenn ich auch weiterhin den Großteil der Fläche als Rasen erhalten will, muss ich mich anstrengen. Anstrengen heißt Mähen – mindestens ein Mal pro Woche – je kürzer, desto häufiger.



Da mir der Lärm der Anderen schon dermaßen auf den Keks geht, möchte ich selbst keinen weiteren erzeugen. Elektromäher sind keine Option weil erstens nicht viel leiser und zweitens mäht man dauernd über das verflixte Kabel (dann ist es wenigstens still). Also heißt es Alternativen finden und Optionen abwägen. Ich bin bei folgenden zwei Möglichkeiten gelandet:

1. Rasenmähroboter / E-Schaf

Sehr elegante Variante der Arbeitsverweigerung mit der Coolness von Strumpfhaltern für Männer. Wie viele Stunden Mäharbeit kann man sich sparen und statt dessen den Garten genießen? Blöd nur, dass die Beschäftigung mit dem Garten ein wichtiger Part dessen Erholungswerts ausmacht. Außerdem: Wie viele Stunden muss ich arbeiten, um dieses autonome Technik-Wunder zu bezahlen? Vielleicht leiste ich mir den Spaß irgendwann tatsächlich einmal, denn es hat große Vorteile: es trägt den Rasenschnitt nicht ab sondern lässt ihn liegen und die rasiermesserscharfen Klingen schneiden sehr exakt und das täglich, bei jeder Witterung. Ein Bisschen wie ein BMW-Motorrad – perfekt, aber etwas emotionslos.

2. Spindelmäher

Den kennen einige vielleicht noch aus ihrer Kindheit, Comics oder Filmen. Handbetrieben und leise schiebt sich die Messerwalze durch das saftige Grün. Es ist das Fahrrad unter den Rasenmähern und gleichzeitig die (2x) wöchentliche Dosis Bewegung, die Hirnarbeiter wie wir so dringend benötigen. Während ein Sichelmäher (das laute Standardmodell) seine Schneide mit hoher Geschwindigkeit rotieren lässt und so die Halme abschlägt, schneidet die Messerwalze wie eine Schere die einzelnen Halme gegen das Untermesser ab und sorgt für einen unanständig sauberen Schnitt. Auch hier bleibt das Schnittgut liegen und verrottet zu wertvollem Dünger. Weil das Gerät sehr leicht ist, braucht man nicht länger als mit einem herkömmlichen Mäher, man sollte nur keine zu langen Pausen zwischen zwei Mähgängen machen, denn dann wird’s richtig anstrengend – aber wer scheut sich schon vor einem gelegentlichen Power-Work-Out? Im Großen und Ganzen ein ausgesprochen raffiniertes Gerät.



Ich habe mich für den zweiten Weg entscheiden, und obwohl laut Hersteller anders beschrieben, sind auch Gärten mit über 500 m² in 30-45 Minuten gemäht. Problemlos auch am Abend anwendbar weil sehr leise, empfinde ich dieses Gerät als völlig zu unrecht durch vermeintlich bessere Maschinen ersetzt. Und im Gegensatz zu Option eins muss ich in unserem jungen Garten nicht bei jeder Neupflanzung den Begrenzungsdraht neu verlegen.

Die andere Hälfte der Miete

Mähen ist zwar die halbe Miete, aber der ein oder andere wird sich schon gedacht haben, dass es damit alleine nicht erledigt sein wird. Schon mal darüber nachgedacht, dass mit jedem Mähvorgang relativ viel Biomasse „abgeerntet“ wird? Das ist ein echtes Problem und besonders wer den Rasenschnitt nicht auf der Fläche belässt muss 3 Mal im Jahr düngen, sonst magert der Boden aus und es wächst alles, nur kein Gras. Es kommt noch dazu, dass so ein Rasen kein Kostverächter ist. Er braucht verhältnismäßig viel Nährstoffe um gut zu wachsen und sich gegen (Un-)Kraut durchzusetzten. Also nicht lumpen lassen und hin und wieder einen Sack (biologischen) Rasendünger ausbringen, dann wird’s auch schön dunkelgrün und dicht.

Und zum Schluss noch die allerbeste Nachricht: Mit jedem weiteren umgesetzten Projekt – sei dies ein Hochbeet, eine Sitzecke mit Grillstelle oder der Pool mit Gegenstromanlage – wird die Rasenfläche ein wenig kleiner. Möglicherweise erübrigt sich der Roboter irgendwann sowieso, weil man in 15 Minuten locker durchmarschiert ist. Bis dahin sollten wir eventuell das alte Rennrad in der Garage wieder aufgebaut haben, zwecks körperlicher Ertüchtigung. Sind wir mal gespannt!

Gartengestaltung

Aller Laster Anfang

Posted by juergenraich on
Aller Laster Anfang

Was geschieht, wenn man ein Kind vom Land für Jahre in eine Stadtwohnung sperrt um es dann plötzlich auf ein paar m² Garten loszulassen?

Richtig: Überkompensation. Richtig dick aufgetragen. Mit einer guten Portion Selbstüberschätzung und dem eisernen Willen, alles besser zu machen als all die Anderen.

Der eigene Grund!

Wie das klingt. Das muss man sich erst auf der Zunge zergehen lassen. Der Pathos, die Möglichkeiten…

Mein Bürojob bringt deutlich zu wenig Bewegung mit sich und als verantwortungsvoller Vater hat man dafür zu sorgen, dass der Nachwuchs möglichst gesunde Nahrung erhält. Also ran an den Speck! Gut versorgt mit viel Halbwissen und die meisten Arbeiten gnadenlos unterschätzend.

Mir wird wieder mal klar, wie sich das mit der Zeit verhält: Ich habe keinerlei Macht über Sie. Bestimmte Arbeiten fallen dann an, wenn Wetter, Temperatur, Jahreszeit und – wenn man denn daran glauben will – Mond und Sterne zusammenpassen und das ist ziemlich selten am Samstag Vormittag. Andere Dinge wollen einfach immer erledigt werden, egal wie müde, nass, beschäftigt oder hung-over man gerade ist (Stichwort: Rasenmähen).



Kein Plan!

Erstmal habe ich mit meiner Co-Pilotin ein paar Eckpfeiler gesteckt, gedanklich. Wo wollen wir mit dem Projekt hin? Und wie machen wir das ohne uns gegenseitig den Spaß daran zu verderben?

  • Ein bisschen Rasenfläche vorm Haus für den Nachwuchs.
  • Möglichst keine (hoch-)giftigen Pflanzen
  • Auch der „Wirtschafts-Teil“ des Gartens sollte halbwegs ansehnlich sein.
  • Natürlich und ökologisch.
  • Naschgarten fanden wir beide ein spannendes Konzept

Also sind wir irgendwo bei einer modernen Interpretation von Omas Garten angekommen (Bauerngarten). Dieser war zwar größtenteils ein Nutzgarten, der aber doch genug Platz für einen kleinen Ziergarten hatte und robust genug gestaltet war um als Kind darin zu toben ohne größeren Schaden anzurichten oder zu nehmen – nur die Proportionen mussten etwas angepasst werden. Das 300 Jahre alte Haus darin wäre noch eine schöne Ergänzung gewesen.

Was außer dem alten Haus von den ursprünglich unendlichen Möglichkeiten noch auf der Strecke blieb (warum auch immer):

  • Kartoffelacker
  • Traktor
  • Mais-/Gersten-/Roggenfeld
  • Ahornplantage (für Ahornsirup)
  • Weinberg

Wo anfangen?

Mein alter Herr würde sagen: „Wie man einen Elefanten isst. Biss für Biss!“

So ähnlich wäre dann auch die Urbarmachung anzugehen. Grundsätzlich ist eine halbwegs ebene Fläche kein Schaden. Auf der „grünen Wiese“ soll dann mit der Zeit der Garten wachsen, den Bedürftnissen entsprechend. Es macht allerdings Sinn, die ganz groben Einteilungen zumindest mal angedacht zu haben – der Hausbaum sollte vielleicht nicht gerade am idealen Standort für den Pool gepflanzt werden. Wir haben uns auch mit einem Gartenplaner das Problem angesehen. Kann man machen, muss man aber nicht. Manchmal ist es auch ganz gut zu wissen, was man NICHT will.

Also Modellieren des Grundstücks und Rasenfläche anlegen. Jetzt wird Erde bewegt!



Ein paar Worte zum Idealablauf:

Hätte man Zeit, Wissen und Geduld, würde man in die grob verteilte Erde im Herbst oder Frühjahr eine Gründungung einsähen. Das Ergebnis ist dann ein wiesenartiger Bewuchs, der aber nicht gemäht wird. Im (Früh-)Herbst hat das Grünzeug die obersten Bodenschichten wunderbar gelockert und in die Erde gefräst wird es wertvollen Dünger für den späteren Rasen abgeben. Planieren und Einsäen und noch im gleichen Jahr wächst der Rasen nahezu unkrautfrei an und wird im darauf folgenden stark und dicht.

Die Realität:

Ich habe weder Zeit, Wissen noch Geduld, also mache ich alles an einem Wochenende und größtenteils von Hand. Donnerstag wird Erde geliefert, Freitag verteilt, Samstag gefräst und Sonntag planiert und Rasen gesät. Am Montag soll es regnen und ich will mir das Gießen sparen.

Gefräste Fläche

Nach der Verteilung der Erdmassen, kann gefräst werden um die oberste Erdschicht zu lockern und bearbeitbar zu machen.

Feinplanie

Mit Rechen und Walze wird solange abwechselnd verteilt und planiert, bis die gewünschte Struktur erreicht ist.

Erste Vegetation

Mit ein bisschen Glück wächst nach kurzer Zeit so etwas wie Rasen auf der Fläche – an der Grundstücksgrenze stehen bereits die ersten Elemente der Bepflanzung zwecks (späterem) Sichtschutz.

Am Montag regnet es nicht. Der ganze Sommer ist heiß und trocken und der noch empfindliche Rasen weicht einer deckenden, robusten und anspruchslosen Hirselandschaft. Auf der kann wunderbar gespielt werden, auch als Zeltunterlage macht sie sich hervorragend, aber mähen geht gar nicht. Hauptsächlich anstrengend.

Das Gute daran ist, dass die Hirse im Herbst von alleine verschwindet und wenn man dann erneut aussät und gut düngt, wird es auch was mit dem Rasen.

OK, die Basis hätten wir also geschafft, aber damit es richtig wohnlich wird braucht das Auge ein paar Punkte um sich daran festzuhalten. Kaum sind die ärgsten Narben verheilt beginnen wir damit Löcher in den neuen Teppich zu stanzen.

Der Plan für die kommenden Arbeiten wird nun konkreter:

  • Heimische Pflanzen und Bäume
  • Ein paar ausgewählte Exoten
  • Hochbeet (unbedingt)
  • Äpfel, alte Sorten
  • Beeren
  • Und was zum Spielen für die Sprösslinge!

Auf geht’s!